Weniger Arbeit pro Kopf: Weshalb nur Ältere mehr arbeiten
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Nach dem Rekordjahr: Arbeitszeit in Deutschland auf dem Rückzug
Jahrzehntelang stieg die Arbeitszeit pro Kopf in Deutschland fast ungebremst. Jetzt kehrt sich dieser Trend um.
Neue Berechnungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) auf Basis des Mikrozensus zeigen für 2025 einen spürbaren Rückgang gegenüber dem Rekordjahr 2023 – getragen vor allem von Männern sowie jüngeren und mittleren Altersgruppen. Nur bei den Älteren geht die Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung.
Die Kennzahl misst die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit aller 20- bis 64-Jährigen, unabhängig davon, ob sie erwerbstätig sind. Sie gilt als wichtiger Indikator für das tatsächlich verfügbare Arbeitskräfteangebot. 2023 erreichte sie mit 28,8 Wochenstunden für Männer und Frauen zusammen einen Höchstwert. Zwei Jahre später liegt sie 0,4 Stunden darunter – rechnerisch ein Minus von rund 460.000 Vollzeitstellen.

Männer verlieren deutlich mehr als Frauen
Besonders ausgeprägt fällt der Rückgang bei Männern aus. Hatten sie 2019 mit 33,5 Wochenstunden noch den höchsten Wert seit 1991 erreicht, sind es 2025 nur noch 32,6 Stunden. Das BiB ordnet das in einen bekannten Zusammenhang ein: Wirtschaftliche Schwächephasen gingen typischerweise mit einem Rückgang der Arbeitszeit pro Kopf einher, das lasse sich auch derzeit beobachten.
Frauen dagegen leisten mit gut 24 Wochenstunden eine weitgehend stabile Arbeitszeit. Ein Grund dafür liegt im Arbeitsmarkt selbst: In Bildung und Kinderbetreuung ebenso wie im Gesundheitswesen und besonders in der Pflege fehlen weiterhin Fachkräfte. Gerade in diesen – teils wachsenden – Branchen sind Frauen besonders stark vertreten. Die wirtschaftliche Schwäche schlägt dort entsprechend schwächer durch als bei Männern.
Alter und Bildungsniveau als wichtige Faktoren
Auch der Blick auf Altersgruppen offenbart Gegensätze. Während die Arbeitszeit pro Kopf bei den 25- bis 54-Jährigen zurückging, legte sie bei den über 60-Jährigen weiter zu. Ursache ist vor allem die schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters, die ältere Menschen länger im Erwerbsleben hält.
Ähnlich unterschiedlich verläuft die Entwicklung nach Bildungsabschluss. Bei Menschen mit niedrigem Abschluss sank die Arbeitszeit pro Kopf am stärksten – vor allem, weil weniger von ihnen überhaupt erwerbstätig waren. Höher Qualifizierte hingegen reduzierten in erster Linie ihre Wochenarbeitszeit, etwa weil Männer zunehmend Elternzeit und Teilzeitmodelle nutzen.
Das BiB blickt bereits voraus: Die Zahl der Erwerbspersonen werde durch die demografische Alterung in den kommenden Jahrzehnten weiter zurückgehen. Die Arbeitszeit pro Kopf mache sichtbar, in welchem Umfang vorhandene Erwerbspotenziale tatsächlich genutzt würden – und werde damit künftig noch an Bedeutung gewinnen.
Methodisch sind die Berechnungen altersstandardisiert und beziehen sich auf die Bevölkerungsstruktur des Jahres 2025, um Verzerrungen durch den demografischen Wandel auszuschließen.
In aller Kürze
Die Arbeitszeit pro Kopf sinkt 2025 gegenüber dem Rekordjahr 2023 – besonders bei Männern und Jüngeren. Ältere arbeiten dagegen mehr, bedingt durch das höhere Renteneintrittsalter.
VERWEISE
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