Gesundheitlich am Limit: Ältere Beschäftigte im Rentenübergang
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Wenn Frühverrentung wegfällt: Ältere Beschäftigte arbeiten heute mit schlechterer Gesundheit
Wer sich heute mit gesundheitlichen Einschränkungen bis kurz vor die reguläre Altersgrenze durch den Job kämpft, hätte vor anderthalb Jahrzehnten möglicherweise längst den Ausweg in eine vorzeitige Altersrente gefunden.
Diesen Schluss legt eine neue Untersuchung des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) nahe, die die gesundheitliche Selbsteinschätzung älterer Beschäftigter und Rentnerinnen und Rentner für die Jahre 2010 und 2023 vergleicht.
Ihr zentrales Ergebnis: Die steigenden Altersgrenzen in der gesetzlichen Rentenversicherung haben die klassischen Frühverrentungswege weitgehend verschlossen – und die Erwerbsminderungsrente füllt diese Lücke nur unvollständig.
Mehr Ältere in der Erwerbsminderungsrente
Mit dem schrittweisen Anstieg der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre wird erwartungsgemäß häufiger auf die Erwerbsminderungsrente ausgewichen. 2023 war bereits jede zweite Person, die neu eine solche Rente bezog, mindestens 58 Jahre alt; zwanzig Jahre zuvor traf das nur auf ein Viertel zu.
Anders als die frühere, altersgebundene Vorruhestandsregelung setzt die Erwerbsminderungsrente jedoch eine aufwändige, individuelle Gesundheitsprüfung voraus – ein Verfahren, das ungleich strenger ist als der bloße Nachweis eines Lebensalters.
Was der Gesundheitsvergleich zeigt
Für die Analyse wertete Studienautor Martin Brussig Daten des Panels »Arbeitsmarkt und Soziale Sicherheit« aus, das jährlich zur Erwerbssituation und zum subjektiven Gesundheitszustand befragt. Verglichen wurden Erwerbstätige und Rentenbeziehende zwischen 59 und 64 Jahren. Ergebnis: Sowohl unter den Beschäftigten als auch unter den Frührentnerinnen und -rentnern fällt die eingeschätzte Gesundheit 2023 schlechter aus als 2010.
Besonders deutlich zeigt sich das bei den 59- bis 60-Jährigen, deren heutige Rentenbeziehende fast ausschließlich über die Erwerbsminderungsrente ausgeschieden sind. Aufschlussreich ist zudem der Blick auf jene, die weder erwerbstätig noch verrentet sind, sondern geringfügig beschäftigt, arbeitslos oder ganz ohne Erwerbseinkommen: Ihre Gesundheit fällt in beiden Untersuchungsjahren regelmäßig schlechter aus als die der Beschäftigten – ein Hinweis darauf, dass ein Teil dieser Gruppe zu krank für reguläre Arbeit, aber offenbar nicht krank genug für die Erwerbsminderungsrente ist.
Geringqualifizierte am stärksten betroffen
Am deutlichsten trifft diese Entwicklung Menschen mit niedrigem Qualifikationsniveau. Unter den 59- bis 60-jährigen Frührentnerinnen und -rentnern mit geringer Qualifikation lag der Gesundheitswert 2023 auf einer Skala, deren oberes Ende eine schlechte Gesundheit anzeigt, bei 4,3 – deutlich schlechter als bei Hochqualifizierten mit 3,7. 2010 war das Verhältnis noch umgekehrt.
Gleichzeitig blieben geringqualifizierte Beschäftigte mit stark eingeschränkter Gesundheit 2023 häufiger im Job, statt in Rente zu gehen. Für den Studienautor ein Beleg dafür, wie stark die Schließung der Frühverrentungswege ausgerechnet jene Gruppe unter Druck setzt, die einst mit der Abschaffung der Berufsunfähigkeitsrente als besonders schutzbedürftig galt.
Zwei Stellschrauben für die Politik
Für Brussig ergibt sich daraus ein doppelter Handlungsbedarf: kurzfristig ein erleichterter Zugang zu einer Form der gesundheitsbedingten Frühverrentung, langfristig eine deutliche Verstärkung von Präventionsmaßnahmen in der Arbeitswelt. Beides sollte nach seiner Einschätzung mitgedacht werden, bevor die Regelaltersgrenze weiter angehoben wird.
In aller Kürze
Steigende Altersgrenzen verschließen klassische Frührentenwege. Eine IAQ-Studie zeigt: Ältere Beschäftigte und Frührentner sind heute gesundheitlich schlechter dran als 2010 – besonders Geringqualifizierte.
VERWEISE
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