Teilkrankschreibung: In deutschen Unternehmen überwiegt die Skepsis
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Teilweise arbeitsunfähig – ganz schwierig abzugrenzen
Fast jedes zweite Unternehmen in Deutschland hält eine Teilkrankschreibung für wenig sinnvoll. Das zeigt die aktuelle Personalleiterbefragung von Randstad und dem ifo Institut.
Jeweils 24 Prozent der Unternehmen bewerten das Instrument als »gar nicht sinnvoll« oder »eher nicht sinnvoll«. Nur 27 Prozent halten es für sinnvoll, ein weiteres Viertel bleibt neutral.
Die Regelung sieht vor, dass Ärztinnen und Ärzte bei länger andauernden Erkrankungen eine teilweise Arbeitsunfähigkeit feststellen können. Betroffene reduzieren ihre Arbeitszeit dann entsprechend, statt vollständig auszufallen oder komplett zu arbeiten.
Steigende Belastung als Hintergrund
Die Debatte trifft auf eine angespannte Lage: 38 Prozent der Unternehmen berichten von gestiegener Arbeitsauslastung, nur 21 Prozent von einer sinkenden. Bei über der Hälfte (51 Prozent) hat sich zudem die mentale Belastung der Mitarbeitenden erhöht, vor allem durch wirtschaftliche Unsicherheit und interne Veränderungsprozesse.
Die Teilkrankschreibung hätte hier zur Entlastung beitragen können – die Zurückhaltung überrascht deshalb.
Abgrenzung als Kernproblem
Laut ifo-Forscher Jonas Hennrich befürchteten die meisten Unternehmen eine schwierige Abgrenzung zwischen Arbeitsfähigkeit und Arbeitsunfähigkeit und rechneten mit zusätzlichem organisatorischem Aufwand.
76 Prozent nennen genau diese Abgrenzung als größte Herausforderung, 57 Prozent den organisatorischen Mehraufwand. Fast die Hälfte hält das Instrument in vielen Tätigkeiten für kaum umsetzbar.
Administration vorn, Produktion abgeschlagen
Am ehesten geeignet erscheint die Teilkrankschreibung in der Administration (55 Prozent). Im Vertrieb und Kundenservice sehen immerhin 33 Prozent Potenzial. In körperlich geprägten Bereichen dagegen kaum: In der Logistik halten nur 11 Prozent, in der Produktion nur 8 Prozent das Modell für praktikabel.
Kaum Hoffnung auf große Effekte
Auch von den erwarteten Wirkungen lassen sich die Unternehmen wenig überzeugen. Die Hälfte rechnet mit keinen wesentlichen positiven Effekten. Rund ein Drittel hofft auf kürzere Fehlzeiten oder eine schnellere Rückkehr erkrankter Mitarbeitender.
Jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) hält einen längeren Einsatz von Fachkräften trotz gesundheitlicher Einschränkungen für möglich, 12 Prozent erwarten eine flexiblere Personalplanung.
Ob die Teilkrankschreibung Beschäftigte gesundheitsverträglich zurückführt, muss sich in der Praxis erst zeigen – die Erwartungen der Unternehmen bleiben verhalten.
In aller Kürze
Fast jede zweite Firma hält die Teilkrankschreibung für wenig sinnvoll. Größte Sorge: die Abgrenzung zwischen arbeitsfähig und arbeitsunfähig. Am ehesten umsetzbar in der Administration, kaum in Produktion und Logistik.
