OECD und Bertelsmann Stiftung starten Reformdialog zur Weiterbildung
.png)
Zwischen Studie und Dialog: Der neue Anlauf zu einer Weiterbildungsreform
Das Weiterbildungssystem in Deutschland steht vor einem Umbruch. Diesmal kommt der Anstoß nicht nur von einer Stiftung, sondern zusätzlich von einer internationalen Organisation: OECD und Bertelsmann Stiftung haben gemeinsam ein Projekt zur Reform der beruflichen Weiterbildung gestartet. Den Auftakt bildete am 1. Juni eine gut besuchte Webkonferenz.
Vier Reformfelder, ein wiederkehrender Befund
Den Ausgangspunkt bildet eine OECD-Studie aus dem Jahr 2021, die vier zentrale Schwachstellen im deutschen Weiterbildungssystem benannte: eine zu wenig systematische Nutzung von Kompetenzanerkennung und Teilqualifikationen, unzureichend ausgestattete Finanzierungsinstrumente sowie fehlende Teilhabechancen für Geringqualifizierte.
Zwei Jahre später bestätigte die Bertelsmann Stiftung diese Diagnose auf eigenem Weg – mit den »8 Forderungen für die Weiterbildung von morgen«, die auf Grundlage von Experteninterviews entstanden waren. Zwei Institutionen, zwei Methoden, ein nahezu deckungsgleiches Ergebnis.
Wie dringend das Problem inzwischen wahrgenommen wird, zeigt eine aktuelle Zahl: Für das laufende Jahr plant nur etwa die Hälfte der Beschäftigten überhaupt eine Weiterbildung. Der Weg dorthin, so ein Befund der Stiftung, gleiche für viele eher einem Hindernislauf als einem gut ausgeschilderten Pfad.
Reformdialog statt Papierstapel
Statt eines weiteren Gutachtens setzen OECD und Bertelsmann Stiftung nun auf einen Dialogprozess. Die Auftaktveranstaltung brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Magdalena Burtscher stellte für die OECD das Projekt vor, ehe Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, die Sozialforscherin Jutta Allmendinger sowie die Bundestagsabgeordnete Anja Reinalter darüber diskutierten, welche Reformen ein wirksames Weiterbildungssystem tatsächlich braucht.
Der Rahmen ist dabei bewusst breit gewählt: Es geht nicht allein um staatliche Förderprogramme, sondern auch um die Rolle von Sozialpartnern und Unternehmen. Tarifvertragliche Regelungen etwa böten bislang kaum genutztes Potenzial, um betriebliche Weiterbildung strukturell zu verankern – ein Punkt, den die Stiftung in einem parallelen Projektstrang bereits verfolgt.
Nicht die erste gemeinsame Initiative
Die Kooperation hat Vorgeschichte: Bereits 2021 hatten beide Institutionen gemeinsam zur Teilqualifizierung diskutiert, jenem Instrument, mit dem sich Berufsabschlüsse schrittweise erwerben lassen. Fast 300 Teilnehmende verfolgten damals eine Debatte darüber, wie sich internationale Erfahrungen – etwa aus dem angelsächsischen Raum – auf den deutschen Arbeitsmarkt übertragen lassen, ohne die hiesigen Strukturen zu überfordern.
Ob aus dem aktuellen Reformdialog konkrete gesetzgeberische Schritte erwachsen, bleibt offen. Die Auftaktkonferenz markiert jedenfalls erst den Anfang eines Prozesses, der die Weichen für die kommenden Jahre stellen soll – in einer Zeit, in der Digitalisierung, demografischer Wandel und Fachkräftemangel gleichzeitig auf das System drücken.
In aller Kürze
OECD und Bertelsmann Stiftung arbeiten an einem Reformprojekt zur Weiterbildung. Auftaktkonferenz im Juni brachte Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen – erste gemeinsame Initiative seit 2021.
VERWEISE
- Projektvorstellung »Deutschland zukunftsfähig machen: Welche Weiterbildung brauchen wir?« ...
- vgl. Bertelsmann Stiftung: Einladung Bertelsmann Stiftung-OECD-Webkonferenz ...
- siehe auch: »Gemeinsame Web-Konferenz von Bertelsmann Stiftung und OECD im Rückblick« ...
- siehe auch: »8 Forderungen für die Weiterbildung von morgen« (Bertelsmann Stiftung 2023) ...
- siehe auch: »Per Weiterbildung in die #ZukunftderArbeit« (OECD 2021) ...
