Wie Schule und Elternhaus die politische Zukunft der Jugend prägen
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Politische Polarisierung im Klassenzimmer: Studie zeigt tiefe Gräben unter Jugendlichen
Mit rund 14 Jahren wissen viele Jugendliche in Deutschland schon ziemlich genau, wo sie politisch stehen – und diese Haltung hängt stark davon ab, welche Schule sie besuchen und welchen Bildungsweg ihre Eltern gegangen sind.
Das zeigt eine neue Langzeitstudie des Exzellenzclusters »The Politics of Inequality« an der Universität Konstanz.
Für das Projekt PerFair wurden rund 3.000 Schüler*innen aus Baden-Württemberg, Sachsen und Schleswig-Holstein zweimal befragt: im Winter 2022/23 in der siebten, im Schuljahr 2024/25 in der neunten Klasse.
Interesse wächst, aber ungleich
Politisches Interesse nimmt bei Jugendlichen generell zu, je älter sie werden – wie stark, hängt aber vom Elternhaus ab. An Gymnasien ist das Interesse schon in Klasse 7 höher, und der Abstand wächst bis Klasse 9 weiter, besonders bei Jugendlichen aus akademisch gebildeten Familien.
Parteibindung festigt sich rasant
Noch in Klasse 7 gab knapp die Hälfte der Befragten an, die Parteien nicht gut genug zu kennen. Zwei Jahre später ist dieser Anteil eingebrochen – in Sachsen von 38 auf 12, in Schleswig-Holstein von 41 auf 9 Prozent.
An seine Stelle tritt eine klare, je nach Bundesland unterschiedliche Parteibindung: In Sachsen wurde die AfD mit 25 Prozent stärkste Kraft, vor der Linken (13 Prozent). In Baden-Württemberg liegt die CDU/CSU vorn (19 Prozent), dicht gefolgt von Grünen und AfD. In Schleswig-Holstein gewann die Linke deutlich hinzu und kommt auf 24 Prozent, vor der AfD (15 Prozent).
Bildung als Trennlinie
Schulform und familiärer Hintergrund verstärken sich gegenseitig: Die AfD erreicht unter Jugendlichen mit niedrigerem Bildungshintergrund an nicht-gymnasialen Schulen 25 Prozent, an Gymnasien mit akademisch gebildeten Eltern dagegen nur 6 Prozent.
Dort konkurrieren Grüne und Linke um Sympathien, während die CDU/CSU über alle Gruppen hinweg stabil zwischen 13 und 17 Prozent bleibt. Die SPD kommt kaum über 6 Prozent hinaus.
Demokratie ja, aber nicht überall gleich stark
Die Zustimmung zu demokratischen Grundwerten ist insgesamt hoch und über die zwei Wellen leicht gestiegen – auch in Sachsen, trotz starker AfD-Affinität.
Zwischen den Schulformen bestehen jedoch deutliche Unterschiede: An nicht-gymnasialen Schulen fällt die Demokratieunterstützung niedriger aus als an Gymnasien. Ähnlich bei Migration: Gymnasiast*innen stehen ihr offener gegenüber, besonders kritisch fällt die Haltung an sächsischen Sekundarschulen aus.
Resümee
Für die Studienautor*innen Marius R. Busemeyer, Nadja Wehl und Susanne Garritzmann liegt der Schluss nahe, dass politische Bildung gezielt dort ansetzen muss, wo Demokratieunterstützung strukturell schwächer ausgeprägt ist. Aktivierende Methoden wie Simulationen oder echte Mitbestimmung könnten helfen, die politische Selbstwirksamkeit bildungsbenachteiligter Jugendlicher zu stärken.
Politische Bildung allein reiche jedoch nicht – nötig seien auch gesamtgesellschaftliche Schritte gegen Ungleichheit im Bildungssystem, auf dem Arbeitsmarkt und in der Politik selbst.
In aller Kürze
Eine Konstanzer Langzeitstudie zeigt: Schulform und Elternhaus prägen politische Haltungen von Jugendlichen stark – mit AfD-Zuwachs vor allem an nicht-gymnasialen Schulen und in Sachsen.
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