Duale Ausbildung im Ländercheck: Wer vorn liegt, wer zurückfällt
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Deutschland verliert Lehrlinge schneller als seine Nachbarn
Weniger Auszubildende, weniger Nachwuchs für Handwerk und Industrie: Der zweite D-A-CH-Monitoringbericht zur dualen Berufsbildung zeigt für Deutschland ein deutlich düstereres Bild als für Österreich und die Schweiz. Zwischen 2004 und 2024 sank die Zahl der Lehrlinge hierzulande um mehr als ein Fünftel, von 1.564.064 auf 1.217.949. Österreich verzeichnete einen moderateren Rückgang, die Schweiz sogar ein leichtes Plus.
Erstellt haben die Studie das BIBB, das österreichische ibw mit 3s sowie das Schweizer Observatorium für Berufsbildung (EHB).
Nur etwa jeder zweite Jugendliche beginnt eine Lehre
Auffällig ist der Anteil jener Jugendlichen, die im Lauf ihres Lebens überhaupt eine Lehre beginnen: In der Schweiz liegt diese Quote bei rund 76 Prozent, in Deutschland bei etwa 53 Prozent, in Österreich nur bei rund 34 Prozent. Dort übernehmen berufsbildende höhere Schulen einen wesentlichen Teil der Erstausbildung.
Migration und schwächelnde Ausbildungsbereitschaft
Der Ausländeranteil unter den Lehrlingen ist seit 2010 überall gestiegen, das Niveau unterscheidet sich aber stark: 2024 lag er in der Schweiz bei 24,8 Prozent, in Österreich bei 16,2 Prozent, in Deutschland bei 12,4 Prozent.
Zugleich sinkt die betriebliche Ausbildungsbeteiligung: Die Quote der Auszubildenden an allen Erwerbstätigen fiel in Deutschland 2024 auf 2,9 Prozent, in Österreich auf 2,4 Prozent; die Schweiz kommt 2023 mit 4,0 Prozent auf einen höheren, ebenfalls rückläufigen Wert.
Ungleiche Erfolgsquoten bei Abschlussprüfungen
In der Schweiz bestanden 2023 rund 92 Prozent der Lehrabschlussprüfungen, in Deutschland 2024 knapp 88 Prozent, in Österreich nur gut 77 Prozent – wohl auch wegen des dort hohen Anteils außerordentlicher Prüfungsantritte ohne vorherige Lehrausbildung.
Geschlechtertrennung bei Berufen bleibt bestehen
Männer dominieren technische und produzierende Berufe, Frauen finden sich häufiger in Büro-, Gesundheits- und Dienstleistungsberufen.
Unter den 20 häufigsten männlichen Lehrberufen tauchen zehn in allen drei Ländern auf, bei den Frauenberufen nur fünf – auch weil Pflegeberufe in der Schweiz traditionell dual verankert sind, in Österreich aber erst seit 2023 testweise erprobt.
Schweiz als Vorbild bei der höheren Berufsbildung
Jenseits der klassischen Lehre liegt die Schweiz vorn: Ihre höhere Berufsbildung umfasst rund 450 anerkannte Abschlüsse und etwa 60.000 Lernende – ein Angebot, das in Deutschland und Österreich erst im Aufbau ist. Österreich schuf mit dem HBB-Gesetz 2024 einen ersten formalen Rahmen, bislang aber nur mit einer Pilotqualifikation.
In aller Kürze
Deutschlands Lehrlingszahlen sinken stärker als in Österreich und der Schweiz; die Schweiz führt bei Ausbildungsbeteiligung, Erfolgsquoten und höherer Berufsbildung, zeigt der neue D-A-CH-Monitoringbericht.
