Beschäftigung von Zuwanderern in der EU: Fortschritt trotz bleibender Lücken

Themenkreis Arbeitswelt und Beruf (Symbolbild)

Zuwanderer in der Europäischen Union waren 2025 so häufig erwerbstätig wie seit 2017 nicht mehr.

Am stärksten stieg die Quote bei Menschen, die außerhalb der EU geboren wurden: von 59,4 auf 66,0 Prozent.

Das zeigt eine aktuelle Studie des Forschungsinstituts CReAM auf Basis von Eurostat-Daten. Die Lücke bleibt dennoch: Einheimische kommen auf 71,6 Prozent, Zuwanderer aus anderen EU-Staaten sogar auf 74,8 Prozent.

Große Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten

Wie nah Zuwanderer aus Nicht-EU-Staaten an die Einheimischen heranreichen, hängt stark vom Land ab. In Malta, Tschechien und Irland liegen ihre Quoten über 75 Prozent, in Belgien und Finnland unter 60 Prozent. Deutschland und die Niederlande verbinden hohe Quoten unter Einheimischen mit einem der größten Abstände zu Zuwanderern von außerhalb der EU: Hierzulande arbeiten 79,6 Prozent der Einheimischen, aber nur 66,1 Prozent der Zuwanderer aus Drittstaaten.

Frauen tragen die Hauptlast der Ungleichheit

Männer haben sich über alle Herkunftsgruppen angenähert: Zuwanderer aus Nicht-EU-Ländern erreichen mit 74,9 Prozent fast das Niveau einheimischer Männer (75,2 Prozent).

Bei Frauen klafft die Schere weiter auseinander, mit 17,5 Prozentpunkten Unterschied bei Drittstaats-Zuwanderinnen – mehr als doppelt so hoch wie unter Einheimischen. In Griechenland erreicht die Differenz knapp 33 Punkte, in Portugal, Estland, Zypern und Dänemark fällt sie deutlich geringer aus.

Bildung zahlt sich nicht für alle gleich aus

Für Einheimische und EU-Zuwanderer gilt: Je höher der Abschluss, desto höher die Quote – bei Frauen ein Plus von über 40 Prozentpunkten zwischen niedrigem und hohem Bildungsniveau. Bei Drittstaats-Zuwanderern fällt dieser Effekt deutlich schwächer aus, besonders bei Männern, deren Quote nur um 10,7 Prozentpunkte steigt.

Fehlende Anerkennung bremst Karrieren

Ein Grund dafür liegt tiefer als in der Bildungspolitik: In vielen Ländern werden ausländische Abschlüsse am Arbeitsmarkt nicht in vollem Umfang anerkannt.

Ein Muster wiederholt sich in mehreren Staaten: Gering qualifizierte Zuwanderer aus Drittstaaten finden dort leichter einen Job als gering qualifizierte Einheimische, während hoch qualifizierte Zuwanderer deutlich seltener eine ihrer Ausbildung entsprechende Stelle erreichen.

Besonders ausgeprägt zeigt sich dieser Kontrast in Tschechien, Malta, Zypern, Italien und Slowenien. Die Studienautoren verweisen dazu auf frühere Forschung zur Anerkennung ausländischer Qualifikationen und zum sogenannten »Brain Waste« – dem Phänomen, dass gut ausgebildete Zuwanderer ihre Fähigkeiten am Arbeitsmarkt nicht einbringen können und in Jobs weit unterhalb ihres Ausbildungsniveaus landen.

In Dänemark, den Niederlanden, Schweden oder Deutschland fällt der Rückstand dagegen auf allen Bildungsstufen negativ aus – ein Hinweis, dass dort neben der Anerkennung von Abschlüssen noch weitere Hürden den Arbeitsmarktzugang erschweren.

Griechenland als Sonderfall

In Griechenland sinkt die Beschäftigungsquote von Drittstaats-Zuwanderern sogar mit steigender Bildung, von 73,3 auf 64,0 Prozent – Folge einer Zuwanderungspolitik, die vor allem Arbeitskräftemangel in Landwirtschaft, Bau und Tourismus adressiert. Von 89.290 genehmigten Stellen für Drittstaatsangehörige entfielen 2025 nur 2.000 auf hochqualifizierte Tätigkeiten.

Ungenutztes Potenzial bleibt liegen

Der Zugang zum Arbeitsmarkt sei für weite Teile der Zuwanderungsbevölkerung kein grundsätzliches Problem mehr, so das Fazit der Autoren. Die verbleibenden Hürden verteilten sich auf bestimmte Gruppen – allen voran Frauen aus Drittstaaten und hoch Qualifizierte.

Bessere Anerkennung ausländischer Qualifikationen, weniger Zulassungshürden und gezieltere Vermittlung könnten dieses Potenzial heben – und den Fachkräftemangel in vielen EU-Ländern lindern.


In aller Kürze
Zuwanderer in der EU sind 2025 so oft erwerbstätig wie nie seit 2017. Doch fehlende Anerkennung ausländischer Abschlüsse bremst hoch Qualifizierte – »Brain Waste« bleibt ein zentrales Problem.


  VERWEISE  


 

siehe auch:

Wenn Frühverrentung wegfällt: Ältere Beschäftigte arbeiten heute mit schlechterer Gesundheit Wer sich heute mit gesundheitlichen Einschränkungen bis kurz vor die reguläre Altersgrenze durch den Job kämpft, hätte vor anderthalb Jahrzehnten …

14 Prozent arbeiten weiter: Neue Zahlen zur Erwerbstätigkeit im Ruhestand Der Ruhestand beginnt für immer mehr Menschen in Deutschland nicht mit dem letzten Arbeitstag. Nach Erstergebnissen des Mikrozensus 2025 waren 14 Prozent der Rentnerinnen …

Alternative Daten: Neue Wege für die Arbeitsmarktforschung Klicks, Suchanfragen, Stellenanzeigen, GPS-Signale: Der digitale Alltag hinterlässt Milliarden von Spuren. Für die Arbeitsmarktforschung, die Krisen, Künstliche Intelligenz und digitale …

Rückschlag beim IAB-Arbeitsmarktbarometer Das IAB-Arbeitsmarktbarometer verzeichnet im Juli einen Rückgang von 0,2 Punkten auf 99,4 Punkte. Beide Komponenten des Frühindikators des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) liegen …

Link defekt?