.png)
Künstliche Intelligenz im Studium – die Sicht von Studierenden im Wintersemester 2025/26
Künstliche Intelligenz hat sich im Studienalltag festgesetzt – und zwar schneller, als es viele Hochschulen bislang auffangen können.
Fast die Hälfte der Studierenden, 46,5 Prozent, greift inzwischen täglich auf KI-Tools wie ChatGPT zurück. Im Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei 24,9 Prozent. Weitere 34,5 Prozent nutzen entsprechende Angebote mindestens wöchentlich. Wer KI im Studium komplett meidet, bildet mittlerweile die Ausnahme: Nur 2,4 Prozent geben an, nie darauf zurückzugreifen, nach 6,1 Prozent im Vorjahr.
Das geht aus einer der umfangreichsten Befragungen an deutschen Hochschulen zu diesem Thema hervor. Das CHE Centrum für Hochschulentwicklung hat im Rahmen seines Hochschulrankings im Wintersemester 2025/26 mehr als 28.000 Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften befragt.
Recherche und Brainstorming vor Textgenerierung
Am meisten Zuspruch findet KI dort, wo es um einen schnellen Überblick geht: für allgemeine Recherchen und als Einstieg in ein neues Thema. Auch als Brainstorming-Partner oder digitaler Tutor ist sie gefragt. Die eigentliche Textgenerierung dagegen bleibt seltener im Einsatz – ein Hinweis darauf, dass viele Studierende KI eher als Denkhilfe denn als Ghostwriter begreifen.
Nina Horstmann, Expertin für empirische Methoden am CHE, sieht darin einen Wendepunkt für die Hochschulen. Die Frage sei nicht mehr, ob KI genutzt werde, sondern wie ihr Einsatz sinnvoll, lernförderlich und verantwortungsvoll gestaltet werden könne.
Wirtschaftsinformatik voran, Jura zurückhaltend
Zwischen den Fächern liegen Welten. In Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftspsychologie, Wirtschaftsingenieurwesen und Betriebswirtschaftslehre nutzt mehr als neun von zehn Studierenden KI mindestens wöchentlich. In der Sozialen Arbeit sind es rund 69 Prozent, in der Rechtswissenschaft nur etwa 53 Prozent.
Auch die Anwendung unterscheidet sich: Angehende Wirtschaftsinformatiker setzen KI vor allem für Programmieraufgaben ein, Wirtschaftspsychologinnen und -psychologen besonders für Brainstorming. Die Rechtswissenschaft bleibt in fast allen Bereichen zurückhaltend.
Prüfungen bleiben ein Streitpunkt
Beim Einsatz in Prüfungsleistungen wie Hausarbeiten oder Referaten gehen die Meinungen auseinander. 46 Prozent der Studierenden befürworten eine Nutzung, 31 Prozent lehnen sie ab, 24 Prozent sind unentschlossen.
Besonders skeptisch zeigen sich Jurastudierende: Hier findet nur gut ein Viertel eine solche Nutzung akzeptabel. In Wirtschaftspsychologie, BWL, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsrecht stimmt hingegen jeweils die Hälfte zu.
Hochschulen müssen nachlegen
Wie gut die eigene Hochschule auf den KI-Alltag vorbereitet, bewerten die Studierenden mit durchschnittlich 3,3 von 5 Sternen. Knapp 46 Prozent vergeben vier oder fünf Sterne, rund 30 Prozent nur einen oder zwei. Am besten schneidet die Wirtschaftsinformatik ab, deutlich kritischer urteilen Rechtswissenschaft und Soziale Arbeit.
Mehr als die Hälfte aller Befragten wünscht sich zusätzliche Lernangebote und eine stärkere Verankerung von KI in der Lehre, 70 Prozent fordern klare Regeln für den ethischen Umgang und den Schutz persönlicher Daten.
Horstmann plädiert dafür, KI-Kompetenzen systematisch in die Fachlehre einzubinden. Entscheidend sei dabei nicht allein die technische Anwendung, sondern ein kritisch-reflektierter und selbstbestimmter Umgang mit der Technologie.
In aller Kürze
Fast jeder zweite Studierende nutzt KI täglich, in Wirtschaftsfächern ist die Nutzung nahezu flächendeckend. Prüfungseinsatz bleibt umstritten, Hochschulangebote zur KI-Kompetenz gelten als ausbaufähig.
