Künstliche Intelligenz wird zur größten Sorge der Personalabteilungen
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KI-Euphorie und Schulungslücke
Kaum ein Thema beschäftigt Personalverantwortliche derzeit so sehr wie der Umgang mit Künstlicher Intelligenz.
Laut dem internationalen Barometer »Transformations, Skills, and Learning« der Cegos-Gruppe stufen 68 Prozent der befragten HR-Direktorinnen und -Direktoren KI und Automatisierung als größten Einflussfaktor auf die Kompetenzentwicklung ihrer Organisation in den kommenden zwei Jahren ein – weit vor neuen Arbeitsformen, demografischem Wandel oder der ökologischen Transformation.
Die Studie erscheint zum 100-jährigen Bestehen der Cego-Gruppe und wurde zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 in elf Ländern Europas, Asiens und Lateinamerikas durchgeführt. Befragt wurden 5.524 Beschäftigte sowie 498 Personal- und Weiterbildungsverantwortliche in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen mit mehr als 50 Mitarbeitenden.
Sorge vor schleichendem Kompetenzverlust
Von einem plötzlichen Jobverlust durch die Transformationen der Arbeitswelt gehen die wenigsten aus: Nur 31 Prozent der Beschäftigten befürchten, dass ihre Stelle verschwinden könnte. Drei von vier rechnen jedoch damit, dass sich die Art ihrer Tätigkeit spürbar verändern wird. Deutlich angespannter fällt die Einschätzung in Asien aus, wo 44 Prozent der Befragten um ihren Arbeitsplatz fürchten.
Aus Sicht der Personalverantwortlichen droht die eigentliche Gefahr eher schleichend: Sie gehen davon aus, dass innerhalb von drei Jahren durchschnittlich 23 Prozent der Stellen in ihrer Organisation von Qualifikationsverlust betroffen sein könnten – vier Prozentpunkte mehr als 2024.
Cegos ordnet diese Entwicklung als ein zunächst leises, aber lauter werdendes Warnsignal ein. Es gehe weniger um einen plötzlichen Umbruch als um eine strukturelle Erosion von Fähigkeiten, der Unternehmen mit schnelleren und gezielteren Weiterbildungsprogrammen begegnen müssten.
Upskilling verdrängt Neueinstellungen
Entsprechend verschiebt sich die Personalstrategie: 65 Prozent der HR-Verantwortlichen setzen inzwischen vorrangig auf die Weiterqualifizierung bestehender Belegschaften, 57 Prozent fördern gezielt interne Mobilität – ein Anstieg gegenüber 47 Prozent im Jahr 2024. Die Zahl der Unternehmen, die stattdessen auf externe Neueinstellungen setzt, sinkt spürbar von 59 auf 46 Prozent.
Nahezu ein Viertel der Beschäftigten spürt diesen Wandel bereits am eigenen Arbeitsplatz: 10 Prozent geben an, ihre Aufgaben nicht mehr mit den vorhandenen Fähigkeiten bewältigen zu können, weitere 16 Prozent erwarten dies in naher Zukunft – 2024 lag dieser Anteil noch bei 7 Prozent.
Generative KI: Privat längst Alltag, beruflich noch Ausnahme
Ein bemerkenswertes Gefälle zeigt sich beim Einsatz generativer KI. Während 79 Prozent der Beschäftigten die Technologie bereits privat nutzen, liegt der berufliche Anteil bei nur 64 Prozent. Nur 28 Prozent der Unternehmen haben verbindliche Nutzungsrichtlinien für KI formuliert und kommuniziert, bei 48 Prozent befinden sie sich noch in Arbeit.
Es fällt auf, dass lediglich 32 Prozent der Beschäftigten bislang eine von ihrem Arbeitgeber angebotene KI-Schulung durchlaufen, obwohl sich viele selbst – durch Ausprobieren oder den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen – bereits Grundkenntnisse angeeignet haben. Cegos sieht darin sowohl eine Chance als auch ein Risiko: Ohne klaren Rahmen und konkrete Anwendungsfälle drohe KI ein Randphänomen zu bleiben, statt zum echten Hebel für Produktivität zu werden.
Blick nach 2035: Vertrauen in sich selbst, Zweifel an der Organisation
Für das Jahr 2035 rechnen Beschäftigte wie Personalverantwortliche übereinstimmend mit einer technologisch geprägteren, flexibleren und agileren Arbeitswelt. Auf die eigene Anpassungsfähigkeit angesprochen, vergeben beide Gruppen hohe Werte von 7,1 beziehungsweise 7,2 von 10 möglichen Punkten. Bei der Einschätzung der eigenen Organisation fällt der Wert mit 6,9 etwas nüchterner aus – ein Hinweis darauf, dass der Wandel eher als kollektive denn als individuelle Herausforderung wahrgenommen wird.
Als wichtigste Aufgabe der Weiterbildung bis 2035 nennen sowohl Beschäftigte (23 Prozent) als auch Personalverantwortliche (21 Prozent) die Entwicklung genuin menschlicher Kompetenzen wie kritisches Denken, Kreativität und Urteilsvermögen – jener Fähigkeiten also, die sich der Automatisierung entziehen.
Lernen im Arbeitsalltag statt im Seminarraum
An den Formaten selbst hat sich wenig verändert: 55 Prozent der Weiterbildungen finden weiterhin in Präsenz statt. Deutlicher ist der inhaltliche Wandel: 64 Prozent der Personalverantwortlichen setzen inzwischen bevorzugt auf arbeitsplatznahes Lernen, das direkt in den Arbeitsalltag eingebettet ist. Auch der KI-Einsatz in der Weiterbildung selbst nimmt zu: 63 Prozent der Unternehmen nutzen generative KI bereits zur Personalisierung von Lernpfaden oder planen dies, ein Anstieg von 37 Prozent im Jahr 2023 auf inzwischen 57 Prozent.
Passend zum Jubiläum bat Cegos Beschäftigte und Personalverantwortliche um eine Botschaft an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in hundert Jahren. Die Beschäftigten setzen auf Neugier als Schlüssel zu lebenslangem Lernen, die Personalverantwortlichen auf die Kraft des Kollektivs.
In aller Kürze
Cegos-Barometer 2026: 68 Prozent der HR-Verantwortlichen sehen KI als größten Einflussfaktor auf Kompetenzen, nur 32 Prozent der Beschäftigten wurden bislang betrieblich geschult – Upskilling verdrängt Neueinstellungen.
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