Wunsch und Wirklichkeit: Wo das Homeoffice hakt

Themenkreis Arbeitswelt und Beruf (Symbolbild)

Homeoffice: Der Wunsch nach dem einen Tag mehr

Ein Umzug ins Homeoffice, der nie ganz vollzogen wurde – und einer, den auch niemand mehr rückgängig machen will: So lässt sich die Lage beim mobilen Arbeiten in Deutschland fünf Jahre nach der Pandemie beschreiben.

Das zeigt der aktuelle WSI-Report »Arbeiten im Homeoffice« von Helge Emmler, der auf Daten der WSI-Erwerbspersonenbefragung vom November 2025 beruht.

Stillstand mit Verschiebungen

Von den Ausnahmezuständen der Lockdown-Monate ist die Homeofficequote längst abgerückt, hat sich aber auch nicht wieder auf das Vorkrisenniveau zurückbewegt. Etwa jede*r dritte Beschäftigte arbeitet inzwischen regelmäßig mobil – vor der Pandemie war es nur jede sechste. Seit gut zwei Jahren bewegen sich die Gesamtzahlen kaum noch, doch unter der Oberfläche verschiebt sich einiges: Reine Betriebs- oder reine Homeoffice-Tätigkeit wird seltener, hybride Mischformen aus Büro- und Heimarbeit nehmen zu.

Besonders deutlich zeigt sich das bei Akademiker*innen. Sie gelten in praktisch jeder Hinsicht als privilegiert, wenn es um Homeoffice geht – ihnen wird es häufiger angeboten, und sie nutzen es intensiver. Trotzdem arbeiten sie mittlerweile öfter an zwei statt an drei Tagen von zu Hause aus als noch im Vorjahr.

Der Osten holt auf

In den ostdeutschen Bundesländern wird zwar nach wie vor seltener von zu Hause gearbeitet als im Westen.

Doch die Kluft zwischen dem, was Beschäftigte sich wünschen, und dem, was ihnen tatsächlich ermöglicht wird, hat sich dort binnen eines Jahres spürbar verringert: Der Anteil der mit ihrem Homeoffice-Arrangement zufriedenen Beschäftigten stieg von 23 auf 31 Prozent.

Nicht alle wollen nur noch zu Hause sein

Bemerkenswert ist, wie bescheiden die Wünsche der meisten Beschäftigten tatsächlich ausfallen. Wer für Homeoffice geeignete Tätigkeiten ausübt, möchte im Schnitt keineswegs ausschließlich zu Hause arbeiten, sondern strebt eine durchschnittliche Wunschzeit von rund 2,5 Tagen pro Woche an – tatsächlich gearbeitet wird derzeit aber noch etwas weniger als zwei Tage.

Für die meisten Beschäftigten würde also schon ein einziger zusätzlicher Homeoffice-Tag reichen, um zufrieden zu sein.

Wenn die Passung fehlt, leidet die Gesundheit

Warum diese Differenz von einem Tag überhaupt zählt, zeigt der Report eindrücklich: Klafft der gewünschte und der tatsächliche Homeoffice-Umfang um zwei Tage oder mehr auseinander, verdoppelt sich der Anteil der Beschäftigten mit schlechtem Gesundheitszustand, der Anteil mit hoher Arbeitsbelastung verdreifacht sich sogar.

Betroffen sind davon nicht nur jene, die zu wenig, sondern auch jene, die mehr im Homeoffice arbeiten, als ihnen lieb ist. Sogenannte Return-to-Office-Initiativen, mit denen Unternehmen Beschäftigte zurück ins Büro holen, gehen dem Report zufolge besonders häufig mit solch großen Diskrepanzen einher.

Ein Sonderfall bleibt die öffentliche Verwaltung: Dort eignet sich ein überdurchschnittlich großer Teil der Tätigkeiten fürs Homeoffice, und ein Angebot besteht meist auch – ausgeschöpft wird es aber nur zu einem geringen Teil. Viele Beschäftigte dort würden gerne schlicht einen Tag mehr zu Hause arbeiten, als es ihnen derzeit gestattet wird.


In aller Kürze
Homeoffice-Quoten stagnieren bei rund einem Drittel. Beschäftigte wünschen sich meist nur einen Tag mehr pro Woche – fehlt die Passung deutlich, steigen Arbeitsbelastung und gesundheitliche Probleme spürbar.


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