Zurück im Job: Warum die stufenweise Wiedereingliederung mehr braucht als einen Plan

Themenkreis Arbeitswelt und Beruf (Symbolbild)

Stufenweise Wiedereingliederung: Vertrauen entscheidet über den Erfolg

Nach längerer Krankschreibung wieder im Job Fuß fassen – das gelingt selten auf Knopfdruck. Die stufenweise Wiedereingliederung (STWE) soll diesen Schritt erleichtern: Beschäftigte kehren mit reduzierter Stundenzahl und wachsender Belastung an ihren Arbeitsplatz zurück.

Gesetzlich verankert und fester Bestandteil des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM), gilt sie als bewährtes Instrument. Wie sie im betrieblichen Alltag tatsächlich erlebt wird, blieb bislang jedoch weitgehend im Dunkeln.

Eine neue Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) schließt diese Lücke.

Für die Untersuchung führten die Forschenden sechs leitfadengestützte Gruppendiskussionen in drei Betrieben durch, mit zurückgekehrten Beschäftigten ebenso wie mit BEM-Beauftragten, Führungskräften und Personalverantwortlichen. Ausgewertet wurden die Gespräche mit der Dokumentarischen Methode nach Ralf Bohnsack, die vor allem zugrunde liegende Orientierungsmuster in den Blick nimmt.

Vertrauen als Erfolgsfaktor

Ein Ergebnis zieht sich durch alle Gespräche: Die STWE gilt allen Beteiligten als unverzichtbar für eine gelungene Rückkehr. Entscheidend ist jedoch, wie sie ausgestaltet wird. Ein starrer Stufenplan reicht nicht aus – Inhalte und Tempo müssen sich an den individuellen Einschränkungen und Ressourcen der Rückkehrenden orientieren und bei Bedarf flexibel angepasst werden.

Schon die Zeit vor Beginn der Wiedereingliederung erweist sich als heikle Phase, geprägt von Unsicherheit, Ängsten und spürbarem Leistungsdruck. Während der STWE selbst rücken flexible Arbeitsbedingungen, eine gute betriebliche Abstimmung und eine verlässliche Begleitung in den Vordergrund.

Und selbst nach erfolgreichem Abschluss ist die Rückkehr nicht automatisch gesichert: Ungünstige Arbeitsbedingungen können den mühsam erreichten Erfolg im Nachhinein wieder gefährden.

Drei Ebenen der Prävention

Aus den Befunden leiten die Autor*innen Ansatzpunkte für Praxis und Prävention ab. Individuell braucht es Unterstützung dabei, eigene gesundheitliche Grenzen wahrzunehmen und auszusprechen. Sozial betrachtet sind es vor allem Vorgesetzte, Teams und begleitende Fachpersonen, die den Rückkehrenden Halt geben.

Betrieblich-organisatorisch entscheiden gesundheitsgerechte Arbeitsgestaltung, ein funktionierendes BEM und eine unterstützende Unternehmenskultur darüber, ob die Rückkehr gelingt.

Resümee

Die STWE sollte nicht isoliert betrachtet werden, sondern eingebettet sein in eine gesundheitsorientierte Betriebskultur und, wo vorhanden, in ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement. Wer Rückkehrende allein mit einem Stufenplan ausstattet, ohne Vertrauen, Kommunikation und flexible Strukturen mitzudenken, lässt einen Teil ihres Potenzials ungenutzt.


In aller Kürze
BAuA-Studie zeigt: Stufenweise Wiedereingliederung gilt als unverzichtbar, muss aber individuell, flexibel und mit Vertrauen, Begleitung sowie gesundheitsorientierter Betriebskultur gestaltet werden.


  VERWEISE  


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