Vom Helfer zur Fachkraft: Wege aus der Sackgasse
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Teilqualifikationen: Die unterschätzte Brücke zur Fachkraft
Es ist eine Zahl, die aufhorchen lässt: 4,6 Millionen Menschen in Deutschland gehen einer Erwerbstätigkeit nach, ohne einen anerkannten Berufsabschluss vorweisen zu können – 17 Prozent mehr als noch 2019, mit einem jährlichen Zuwachs von rund 100.000 Personen. Ihre Arbeitslosenquote liegt bei 21,3 Prozent, sechsmal so hoch wie unter Beschäftigten mit Berufsausbildung. 2019 waren es noch 17,7 Prozent, ehe die Pandemie die Quote binnen eines Jahres auf knapp 21 Prozent trieb. Nach kurzer Entspannung zieht der Wert seither wieder an.
Zur gleichen Zeit beklagen Unternehmen quer durch viele Branchen fehlende Fachkräfte – ein Widerspruch, der die deutsche Wirtschaft 2024 rund 49 Milliarden Euro gekostet hat. Genau an dieser Schnittstelle setzt ein neuer Bericht der Bertelsmann Stiftung an: »Aufstiege ermöglichen – Wie aus Helfer*innen Fachkräfte werden«.
Wenn der Helferjob zur Sackgasse wird
Besonders deutlich wird das Missverhältnis im Objekt- und Personenschutz: Die Zahl der arbeitslosen Helfer*innen ist dort inzwischen ebenso groß wie die Zahl der Beschäftigten, die Quote liegt bei gut 50 Prozent. Im Verkauf zeigt sich Ähnliches – 115.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Helfer*innen stehen rund 170.000 arbeitslose gegenüber, inklusive Minijobs ergibt sich eine Quote von 39 Prozent, verglichen mit bundesweit 6,4 Prozent. Auch Fahrzeugtechnik (31 Prozent) und Gartenbau (28 Prozent) liegen konstant hoch.
Für Gunvald Herdin, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung, ist das ein Alarmzeichen: Bleibe die Arbeitslosigkeit trotz akutem Fachkräftebedarf derart hoch, spreche das für eine tiefgreifende Fehlpassung. Kein Weg führe an gezielter Nachqualifizierung vorbei – häufig genüge dafür bereits eine einzelne Teilqualifikation.
Nicht überall führt der Weg über eine neue Ausbildung
Der Bericht untersucht acht Berufspaare, darunter Büro, Verkauf, Lagerwirtschaft, Gartenbau, Fahrzeugtechnik und Maschinenbau, und zeigt drei Muster: In Objekt- und Personenschutz oder Reinigung bringt selbst Qualifizierung kaum Vorteile. In Büro, Verkauf, Lager und Gartenbau reichen oft einzelne Teilqualifikationen für den Sprung auf Fachkraftniveau. In Maschinenbau und Fahrzeugtechnik führt der Weg meist nur über die volle Ausbildung. Laut Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung ließe sich allein durch die Qualifizierung vorhandener Helfer*innen ein Drittel der Fachkräftelücke schließen – ein bislang brachliegendes Potenzial.
In aller Kürze
Millionen Geringqualifizierte bleiben trotz Fachkräftemangel oft arbeitslos. Ein Bertelsmann-Bericht zeigt, dass gezielte Teilqualifikationen in mehreren Berufsfeldern den Sprung zur Fachkraft erleichtern können.
VERWEISE
- Studie »Aufstiege ermöglichen« ...
- siehe auch: »DiKAp: Steigerung der Digitalkompetenzen von geringqualifizierten Beschäftigten« ...
